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Muttergotteskapelle, Bremgarten

Jenseitsvorsorge und Plagiat
Die Muttergotteskapelle zu Bremgarten wurde im Jahr 1409 erbaut und gilt als ältester Kapellenbau im Bremgarter Kirchenbezirk. Ursprünglich diente das Kirchlein als Beinhaus, bis dieses gegen Mitte des 15. Jahrhunderts in die neu errichtete Annakapelle überführt wurde. Seither gehört die Muttergotteskapelle der Bremgarter Liebfrauenbruderschaft, einem Zusammenschluss von Handwerkern, welche mit der Übernahme der Kapelle für ihre Mitglieder sozusagen «Jenseitsvorsorge» betrieben. Nebst regelmässigen Gottesdiensten zelebrierte die Bruderschaft das Jahresgedenken für ihre verstorbenen Mitglieder mit kleinen Prozessionen. Ein Brauch, den die Liebfrauenbruderschaft noch heute pflegt. Hinzu kommen seit etwa zweihundert Jahren Stipendien für die Ausbildung der Töchter der Mitglieder.

Nachahmung der Einsiedler Madonna
Im Inneren lockt die Muttergotteskapelle nicht nur mit beeindruckenden Fresken aus dem 15. Jahrhundert, sondern auch mit einer Strahlenkranzmadonna, die nicht zufällig Ähnlichkeiten mit der berühmten Marienfigur aus Einsiedeln aufweist. Der in damaligen Kirchenkreisen bekannte Bildhauer Johann Baptist Babel schuf 1757 für Bremgarten eine Kopie der Einsiedler Madonna und sorgte auf diese Weise dafür, dass die Muttergotteskapelle zum Anziehungspunkt für Wallfahrende wurde. Um den Ansturm besser fassen zu können, wurde der Kapellenbau 1608 mit einem Eingangsportal nach Westen hin erweitert. Der Hauptaltar mit der Figur ist durch ein schmiedeeisernes Gitter vom Schiff getrennt.

Zweierlei Fresken
Als in Bremgarten die Reformation Einzug hielt (1529 bis 1531), wurden, dem Postulat der Schlichtheit folgend, die kostbaren Fresken übertüncht. Diese waren seinerzeit von der Liebfrauenbruderschaft in Auftrag gegeben worden. Zur Zeit der Gegenreformation erhielt das Wallfahrtskirchlein einen neuen Zyklus. Erst die Restaurationsarbeiten zur Mitte des 20. Jahrhunderts legten die ursprünglichen Bildfolgen wieder frei. Sie zeigen Szenen aus dem Leben von Jesus und seiner Mutter Maria. Thematisch beginnt der mehr als dreissig Szenen umfassende Freskenteppich an der nördlichen Chorwand mit Darstellungen aus der Anna- und Marienlegende. Eine weitere Besonderheit stellt überdies das Harmonium dar, das sich auf der Empore befindet. Es stammt aus dem Jahr 1874 und wurde anlässlich der jüngsten Innenrenovation im Jahr 1994 wieder spielbar gemacht. (acm)



Spiritueller Impuls: Das Loblied Mariens

Maria aber sprach:

«Mein Herz preist den Herrn,
alles in mir jubelt vor Freude über Gott, meinen Retter!
Ich bin nur seine geringste Dienerin,
und doch hat er sich mir zugewandt.
Jetzt werden die Menschen mich glücklich preisen
in allen kommenden Generationen;
denn Gott hat Grosses an mir getan,
er, der mächtig und heilig ist.
Sein Erbarmen hört niemals auf;
er schenkt es allen, die ihn ehren,
von einer Generation zur andern.
Jetzt hebt er seinen gewaltigen Arm
und fegt die Stolzen weg samt ihren Plänen.
Jetzt stürzt er die Mächtigen vom Thron
und richtet die Unterdrückten auf.
Den Hungernden gibt er reichlich zu essen
und schickt die Reichen mit leeren Händen fort.
Er hat an seinen Diener Israel gedacht
und sich über sein Volk erbarmt.
Wie er es unsern Vorfahren versprochen hatte,
Abraham und seinen Nachkommen für alle Zeiten.»

Das Loblied Mariens (Magnificat, Lukas 1,46–55) in der Übersetzung der «Guten Nachricht»

Der schmale hochwandige Bau der Muttergotteskapelle mit überdachtem Eingangsportal. Der gedeckte, von Grabmälern gesäumte Kapellengang verbindet die Muttergotteskapelle mit der Annakapelle. Links im Hintergrund das Pfarrhelferhaus.



Standort: Bremgarten Unterstadt
Anreise via Wohlen oder Dietikon nach Bremgarten bis Station «Obertor». Von dort aus zu Fuss (ca. 10 Min) durch die Altstadt entlang der Marktgasse bis zum Hotel-Restaurant Sonne. Dort rechts abbiegen (Kirchenstiege). Der breite Treppenweg führt direkt in den Kirchenbezirk.

Besichtigung: Die Muttergotteskapelle ist tagsüber öffentlich zugänglich.

Kontakt: Verwaltung der Liebfrauenbruderschaft, Herr Robert Martin, Telefon 056 633 66 86.

www.bruderschaften.ch

 

 

 



Fotogalerie | 2 Fotos


Blick auf das kunstvoll geschmiedete Chorgitter aus dem Jahr 1608, das den Zugang zum stuckmarmornen Rokoko-Altar verwehrt. Zu beiden Seiten des Marienbildes knien der heilige Dominik und Katharina von Siena.
Die Strahlenmadonna nach Vorbild des Einsiedler Gnadenbildes, geschaffen von Johann Baptist Babel. Im Gegensatz zur Einsiedler Madonnenfigur sind die Hautpartien der Bremgarter Madonna nicht geschwärzt.

 

 

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