Römisch-Katholische Landeskirche des Kantons Aargau
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Sebastianskapelle, Hellikon

Fromme Stifterin
Zwei Helliker Brüder aus dem Geschlecht der Waldmeier – so berichtet eine Sage – zogen in die Fremde; der eine nach Ungarn, der andere nach Polen. In beiden Ländern brach die Pest aus. Unabhängig voneinander gelobten die Brüder in ihrem Heimatdorf dem Pestheiligen Sebastian eine Kapelle zu bauen, sollten sie gesund nach Hause kommen. Beide entkamen dem Schwarzen Tod und lösten das Versprechen ein. Ein vor wenigen Jahren im Wegenstetter Pfarrarchiv entdecktes Dokument überliefert die wahre Entstehungsgeschichte des Kirchleins. Demnach stiftete Elisabeth Lindauer, Witwe des Fridlin Waldmeier, die Kapelle. Erbaut wurde sie 1696 auf Betreiben ihrer sieben Söhne und drei Töchter.

Gespaltenes Dorf

Hellikon war ein gespaltenes Dorf, zumindest was die pfarreiliche Zugehörigkeit betraf: Der Dorfteil rechts des Talbachs unterstand dem Pfarrer von Wegenstetten, das auf der linken Talseite liegende Oberdorf mit der Sebastianskapelle hingegen der Pfarrei Zuzgen. Auf Verlangen der Bewohner wurde das Oberdorf 1788 Wegenstetten zugeteilt. Der dortige Seelsorger protestierte heftig gegen die Vergrösserung seiner Pfarrei, zumal er für den Mehraufwand nicht entschädigt wurde. Trotzig weigerte sich der Geistliche, in der Sebastianskapelle die gestifteten Jahrzeiten zu lesen und überliess dies weiterhin seinem Zuzger Kollegen.
Die Kapelle erhielt später neben der Innenempore auch noch eine hölzerne Aussenempore. Zur Zeit des Kulturkampfes, als sich nach dem Ersten Vatikanischen Konzil (1868/70) Christkatholiken und Römisch-Katholiken um die Benutzung der Pfarrkirche in Wegenstetten stritten, diente das Helliker „Chilchli“ den Papsttreuen aus Wegenstetten und Hellikon vorübergehend als Gottesdienstlokal.

Drehbares Antependium
Der neugotische Altaraufsatz wurde vom Helliker Schreiner gemacht. Seine Mittelnische beherbergt eine Gipsmadonna aus dem frühen 20. Jh. Eine Besonderheit ist das beidseitig bemalte Holzantependium von 1742, das dem Altarblock vorgehängt ist. Auf der einen Seite zeigt es ein Rosenmedaillon mit der Gottesmutter und dem Jesuskind, auf der anderen Maria als Schmerzensmutter. Die in einer Wandnische stehende Statue des Kapellenpatrons stammt vielleicht noch aus der Entstehungszeit des Kirchleins, während die von den Seitenwänden blickenden Figuren der heiligen Antonius von Padua und Dominikus dem 18. Jh. zugeordnet werden. Das „Chilchli“ steht heute „im Schatten“ der modernen und geräumigen Sebastianskapelle beim Friedhof und wird nur noch sporadisch für Gottesdienste benutzt. (lh)

Spiritueller Impuls: Was wir sind, spricht mehr, als was wir sagen!

Die hölzerne Aussenempore der Sebastiankapelle steht noch als architektonischer Zeuge einer Zeit, in der sich die verschiedenen christlichen Konfessionen feindlich gegenüberstanden. Wie auch in anderen Dörfern des unteren Fricktals hat das Unfehlbarkeitsdogma des I. Vatikanischen Konzils die Katholikinnen und Katholiken gespalten. Alle fühlten sich im Recht. Man lebte in getrennten Welten und schaute darauf, dass die Kinder den „richtigen“ Ehepartner nach Hause brachten. Als dann vor 50 Jahren das II. Vatikanische Konzil wieder den Blick auf das Gemeinsame der christlichen Geschwister lenkte, war dies ein Wunder. Ein Wunder der Befreiung von Grabenkämpfen und Abwertungen. Seitdem ist viel geschehen. Der Segen der ökumenischen Bewegung hat uns Christinnen und Christen wieder zusammengeführt. Gemeinsam wollen wir uns heute und morgen der grossen Herausforderung stellen, das Evangelium glaubwürdig zu leben und zu verkünden. Nur so lassen sich Menschen von der Sache Jesu begeistern.

Bernhard Lindner

Die Sebastianskapelle von 1696 mit ihrem hölzernen Emporenanbau steht im Kern des Helliker Oberdorfes. (Bild: Bernhard Brogli, Hellikon)



Standort
Hellikon, Oberdorf, Chilchgässli 3
 
Hellikon liegt an der Postautolinie Möhlin (Bhf.) – Wegenstetten. Von der Haltestelle Mitteldorf die Schulstrasse hinunter bis zum Gemeindehaus, dort nach rechts zum Oberdorf, in dessen Kern die Kapelle steht.

Einkehrmöglichkeit
„Rössli“ (Hauptstrasse)

Öffnungszeiten
Die Kapelle ist tagsüber geöffnet.

Kontakt
Röm.-Kath. Pfarramt, Kirchrain 9, 4317 Wegenstetten, Tel. 061 871 04 10, pfarramtwegenstetten@bluewin.ch

 

 

 



Fotogalerie | 5 Fotos


Der neugotische Altaraufsatz stammt von einem einheimischen Schreiner.
Antependium von 1742.
Die Sebastianskapelle von 1696 mit ihrem hölzernen Emporenanbau steht im Kern des Helliker Oberdorfes.
Der beliebte Volksheilige Antonius von Padua.
Statue des Kapellenpatrons in einer Wandnische.

 

 

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