Römisch-Katholische Landeskirche des Kantons Aargau
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Nikolauskapelle, Laufenburg

Diebische Mönche
Ein Wappen mit Wasserrad und den Initialen B und ST am Scheitel des Chorbogens weist auf den Kapellenstifter hin: Es war Müllermeister Bernhard Stäublin, der 1753, angeblich auf Wunsch seiner Mutter, das Kirchlein erbauen liess. Er wohnte in der nahe Mühle. Der ertragreiche Gewerbebetrieb lieferte seinem Besitzer die notwendigen finanziellen Mittel für den Bau und die Ausstattung einer Privatkapelle. Damals gehörten manche Müller zusammen mit den Grossbauern zur lokalen Oberschicht, zur Dorfaristokratie, die sich eigene Kapellen leisten konnten (vgl. Antoniuskapelle Ueken).

Der Volksmund hat die Leidiker Mühle, das Gebäude steht noch heute, mit Sagen umwoben. Auch dem benachbarten Kirchlein widmen die Sulzer eine Geschichte. Sie erzählt von einem Schatz in der Kapelle, der sich in der Obhut des Leidiker Müllers befand. Da er seine Pflicht vernachlässigte, bannten Kapuziner den Schatzgeist in einen Wassergraben und raubten den Schatz. Eigentlich eine merkwürdige Erzählung, besassen doch die Kapuziner in der Regel das Vertrauen des einfachen Volkes. Doch der eigentliche Schatz der Kapelle, die festliche Ausstattung nämlich, blieb von den diebischen Mönchen unbehelligt und erfreut die Kapellenbesucher bis heute.

Die Kaiserin als Gottesmutter?
An der Schiffsdecke schwebt Maria auf einem von Engeln getragenen Wolkenthron in den Himmel. Die Gottesmutter ähnelt der einstigen Fricktaler Landesherrin Kaiserin Maria Theresia. Die Inschrift am rechten unteren Rand des Gemäldes verrät Franz Josef Trendlin aus Laufenburg als Autor des Bildes. Wenig später malte Trendlin das im Laufenburger Gerichtssaal hängende imposante Portrait der Kaiserin. Ob die Monarchin tatsächlich als Vorbild für die Leidiker Madonna diente oder ob die Darstellung einfach den damaligen Typus einer Rokoko-Dame wiedergibt, bleibt der Fantasie der Betrachter überlassen…
Das Bild an der Chordecke zeigt eine Szene aus dem Leben des hl. Bernhard von Clairvaux, dem in einer Vision Christus am Kreuz erscheint. Engelchen halten dem Heiligen Leidenswerkzeuge hin, die beim Martyrium und der Kreuzigung von Jesus verwendet wurden: Geissel,  Dornenkrone, Nägel, Schwamm und Lanze. Mit diesem Gemälde an prominenter Stelle über dem Altar ehrt der Kapellenstifter seinen Namenspatron.
Verspielte Stuckaturen, die sogar in die Deckenbilder hineinwachsen, geben dem Raum eine festliche Ausstrahlung. Sie stammen wahrscheinlich aus der Hand von Johann Michael Hennevogel, der damals die Kirche im benachbarten Laufenburg ausschmückte.

Gemächliches Ticken

Im Chor tickt gemächlich und gut hörbar ein altes Uhrwerk. Jeden zweiten Tag muss es von Hand aufgezogen werden – die Aufgabe der Sigristin. Sie läutet auch jeden Abend um 19 Uhr das Glöcklein,
so lange, wie sie für das dreimalige Beten des „Englischen Grusses“ und für ein „Vater unser“ braucht.
In der Mitte des Altars steht eine schöne Statue des Kapellenpatrons Nikolaus von Myra, Patron der Müller und Bäcker. Begleitet wird sie von Figuren der hl. Bernhard und Niklaus von Flüe. Die Anwesenheit von Bruder Klaus auf einem Fricktaler Altar aus dem 18. Jh. erstaunt, da der erst 1947 heiliggesprochene Eremit damals im Bistum Basel kaum verehrt wurde.  
Vom 1830 bemalten Antependium schaut Katharina von Alexandrien ins Kapellenschiff. Die Nothelferin ist wie Nikolaus von Myra Patronin der Müller. Da die Mutter als auch die Frau des Kapellenstifters Katharina hiessen, ist auch deren Namenspatronin im Altarraum der Kapelle verewigt. (lh)

Spiritueller Impuls: Nikolaus verbindet die Welt

Kein anderer Heiliger der frühen Christenheit begleitet so wie der Hl. Nikolaus Christinnen und Christen unterschiedlichster Konfessionen bis heute. Er ist ein echter Ökumenischer Heiliger, der alle Kirchenspaltungen überlebt hat. Sogar der staatlich verordnete Atheismus im kommunistischen Russland konnte ihm nichts anhaben, wie ein russisches Sprichwort zeigt: „Selbst wenn Gott tot ist, dann haben wir immer noch den Hl. Nikolaus.“ Hinter diesem gesamteuropäischen Volksheiligen verbirgt sich eine faszinierende historische Person: Er war Bischof von Myra, die türkische Stadt heisst heute Demre. Sein Name ist das Programm seines Lebens: Nike laos bedeutet „Sieg des Volkes“. Er setzt sich für die Nöte der einfachen Leute ein und gibt Zeugnis von der Liebe Gottes zu den Menschen. Nicht zuletzt darum wird Nikolaus Patron der Müller und Bäcker und vieler anderer Gruppen, besonders der Kinder und Schüler. Bis heute ist der Samichlaus als Freund aller Kinder nicht wegzudenken. Das Samichlausbrauchtum ist einer der bedeutendsten und vielfältigsten Volksbräuche in der Schweiz. Seit 2011 initiiert die Fachstelle Bildung und Propstei die regelmässigen Schweizerischen Samichlaus-Synoden in der Propstei Wislikofen.

Bernhard Lindner

Die 1753 errichtete Rokoko-Kapelle beim Weiler Leidikon darf als sakrale Perle des Sulztals bezeichnet werden.



Standort
Laufenburg, Ortsteil Sulz, Weiler Leidikon, Chäppelimatt

Sulz liegt an der Postautolinie Laufenburg – Obersulz, Haltestelle Leidikon benützen.

Einkehrmöglichkeit
Restaurant Fischergut (wenige 100 m unterhalb von Leidikon).

Öffnungszeiten
Die Kapelle ist tagsüber geöffnet. 

Kontakt
Röm.-Kath. Pfarramt, Chilegass 7, 5085 Sulz, T062 875 12 28, pfarramtsulz@bluewin.ch

 

 

 



Fotogalerie | 8 Fotos


Die 1753 errichtete Rokoko-Kapelle beim Weiler Leidikon darf als sakrale Perle des Sulztals bezeichnet werden.
Auf einem Wolkenthron tragen Engel Maria in den Himmel.
Der hl. Bernhard, Namenspatron des Kapellenstifters Bernhard Stäublin.
Die Heilige Katharina
Optischer Mittelpunkt des Altars ist die Figur des Kapellenpatrons Nikolaus von Myra.
Ein Rautengitter trennt den Altarraum vom schmalen Kapellenschiff.
Von Rokoko-Stuckaturen umgebenes Wappen mit Jahreszahl und Initialen des Kapellenstifters Bernhard Stäublin.
Die 1753 errichtete Rokoko-Kapelle beim Weiler Leidikon darf als sakrale Perle des Sulztals bezeichnet werden.

 

 

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