Römisch-Katholische Landeskirche des Kantons Aargau
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Nikolauskapelle, Büttikon

Der Widerspenstigen Zähmung
Stolz sind sie auf ihre Kapelle, die Büttiker. Dies aus gutem Grund: Für ihr Kirchlein haben sie sich immer mächtig ins Zeug gelegt. Um beispielsweise das Harmonium gegen eine Metzler-Orgel zu tauschen, sparten sie sich die Kosten im Rahmen eines «Orgeljahres» mit allerlei besonderen Aktionen zusammen, u.a. einem Orgellauf oder einer Metzgete. Als beinah schon legendär gilt der selbstlose Einsatz der Dorfbevölkerung bei der Renovation anno 1955, als von Seiten der Männer gegen 2600 Fronstunden geleistet wurden. Nach vollbrachter Arbeit sollen die Anwesenden beim Abbauen des Baugerüsts spontan das «Grosser Gott, wir loben dich» angestimmt haben. Und stolz sind die Büttiker auch auf den im Elsass als Wohltäter verehrten Pfarrer und «Magister Jakob Koch» (1632-1716), der aus Büttikon stammt.

Aussen bescheiden, innen ganz gross
So begeistert sich die Dorfbewohner bisweilen für ihr Kirchlein engagierten, so eigenwillig gestaltete sich das Verhältnis zur Mutterpfarrei Villmergen. «Warum nicht auch das Recht haben, in der Kapelle zu taufen? Zumal sie doch so schön ist», wie die Büttiker gerne betonen. Dabei kommt das Kirchlein, abgesehen von seiner kräftig eingeschnürten Zwiebelhaube, eher schlicht daher. Eine typische Dorfkapelle mit rechteckigem Schiff und polygonalem Chor, über dem Eingang ein auf Säulen ruhendes Walmdach. Im Inneren zeigt sich rasch, dass das Kirchlein zu den grösseren seiner Art gehört. Es bietet Platz für 100 Personen. Als Blickfang erweist sich der spätbarocke Altar mit seinen grün marmorierten Säulen, gestiftet vom Kloster Muri, dem die Pfarrei Villmergen bis zur Klosteraufhebung 1841 unterstellt war. Das Hauptblatt des Altars zeigt eine Pietà-Darstellung, der Altarauszug eine Mariendarstellung in Anlehnung an Raffaels «Belle Jardinière», flankiert von den Villmerger Kirchenpatronen Petrus und Paulus. Zu beiden Seiten der Altarsäulen finden sich Statuen des Heiligen Nikolaus und des Antonius Eremita.

Unpraktischer Kirchenpatron
Im Jahr 1366 erstmals als Schlosskapelle der Herren von Büttikon urkundlich erwähnt, wurde die Kapelle in den kommenden Jahrhunderten immer wieder umgebaut. Die heutige Anlage samt Altar und Figuren geht auf das Jahr 1695 zurück. Geweiht wurde sie zu Ehren Johannes des Täufers. Mit dem damit verbundenen Hochfest am 24. Juni taten sich die Büttiker Bauern aber schwer, fielen doch die Festlichkeiten immer in ihren wichtigen Heumonat. Hier setzten sich die Büttiker durch: Das Kirchlein wurde 1768 neu geweiht, diesmal zu Ehren des heiligen Nikolaus. Doch nicht immer entschieden sich Spannungen mit der Mutterpfarrei zugunsten der Büttiker. Ein Antrag zwecks Errichtung einer eigenen Pfarrei aus dem Jahr 1817 wurde ebenso abgeschmettert wie die Idee zur Errichtung einer gemeinsamen Kaplanei mit Hilfikon 1828. (acm)


Spiritueller Impuls: Sehnsucht nach dem Ewigen

Maria ist das Bild der erlösten Schöpfung. Ihr Leib repräsentiert die Natur, die sich ausdrückt im Geborenwerden und Sterben.

Im Buch der Offenbarung wird Maria selbst mit kosmischen Bildern geschmückt: «Ein grosses Zeichen erschien am Himmel, eine Frau mit der Sonne umkleidet, auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen.»

Die Sonne ist das Sinnbild für den auferstandenen Christus. Maria ist mit der Sonne umkleidet; sie steht so im Lichte Christi, im Lichte seiner Auferstehung.

In vielen Mythen gilt der Mond als der Geliebte der Sonne. Die Frau hat eine enge Verbindung mit dem Mond. Der Mond verweist auf die Fruchtbarkeit, aber auch auf Werden und Vergehen.

Maria, mit der Sonne umkleidet, auf dem Mond stehend, lässt an die Hochzeit zwischen Gott und Mensch, zwischen Christus und Kirche, zwischen Mann und Frau denken.

Der Kranz von zwölf Sternen verweist auf die zwölf Sternbilder, die alle Eigenschaften des Menschen symbolisieren. Und Sterne sind Bilder der Sehnsucht nach dem Ewigen.

Anselm Grün


Nikolauskapelle, Büttikon



Standort
Haltestelle Büttikon Oberdorf, zu Fuss 100 m retour, links in die Villmergerstrasse abbiegen und der Beschilderung zur Kapelle folgen. Mit dem Auto von Villmergen aus in Richtung Hilfikon / Sarmenstorf fahren. Am Dorfausgang links in Richtung Büttikon abbiegen. Der Strasse durch den Wald folgen. Danach wird die Ortschaft sichtbar. Unmittelbar hinter dem Ortseingang auf die Beschilderung achten. Parkplätze bei der Kapelle.

Öffnungszeiten
Die Kapelle ist tagsüber geöffnet. Jeden 1. Sa und jeden 3. Do im Monat findet um 19 Uhr eine Heilige Messe statt, übers Jahr ca. viermal kulturelle Veranstaltungen.

Kontakt
Kapellenverein Büttikon, T 056 622 59 82, www.pfarrei-villmergen.ch

 

 

 



Fotogalerie | 3 Fotos


Mondsichelmadonna: Das Motiv nimmt Bezug auf eine Beschreibung in der Johannes-Offenbarung: Die von Sternen gekrönte Frau, welche auf den Mond tritt. Aus dem Jahr 1470 stammend ist sie älter als die Kapelle selbst.
Blickfang ist der spätbarocke Altar im Chor. Im Kirchenschiff finden sich eine spätgotische Marien- und eine Johannesplastik (Evangelist) sowie eine barocke Darstellung Johannes des Täufers und des Gekreuzigten. Ferner gemalte Kreuzwegstationen aus bäuerlicher Kunst. Die rundbogigen Kirchenfester verweisen auf verschiedene Heilige.
Ursprünglich als Schlosskapelle der Herren von Büttikon erbaut, hat das Kirchlein die Burg überlebt. Nach einem Neubau im Jahr 1695 folgten 1920, 1955 und zuletzt 1966 verschiedene Renovationen. Seit 1948 gehört die Kapelle dem bis heute aktiven Kapellenverein.

 

 

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