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Antoniuskapelle, Schneisigen

Sagenhafter Kapellenbau
Als man in Mittelschneisingen eine Kapelle mit einem Schulhaus baute, „hörte man des Nachts ein klopfen und pickeln, ein zimmern und spalten ringsum am Bauplatze, wie wenn da fünfzig Arbeiter zusammen am Geschäfte wären. Die Abends von den Burschen herbeigeschafften Tannen lagen am Morgen schon zurecht gezimmert, die Keller waren fertig gegraben, die Grundquader schon gereiht; und so war Kapelle und Schulhaus bereits nach den ersten drei Wochen hergestellt. Den freundlichen Geist, der sich dabei so dienstfertig benahm, nennt man das Chäpeli-Thierli. Man hält ihn für ein geheiligtes Wesen, das zum Schutze der Gemeinde vom Himmel gekommen sei. Jetzt noch hat er allnächtlich seinen Lauf um das Schulhaus.“ So der getreue Wortlaut einer in der Mitte des 19. Jh. aufgeschriebenen Sage. Dass Kapelle und Schulhaus zu völlig unterschiedlichen Zeiten entstanden sind, ignoriert die Geschichte.

Eigenmächtiger Pfarrer
Eigentlich wollten die Mittelschneisinger 1667 kein neues Gotteshaus errichten, sondern lediglich die bestehende Kapelle renovieren. Schliesslich überredete sie Pfarrer Johann Georg Stressler zum Neubau. Ein solcher wäre nicht viel teurer als die Renovation der alten Kapelle, argumentierte er. Ohne Rücksprache mit dem Abt von St. Blasien, dem die Pfarrei Schneisingen unterstand, schoss Stressler für das Bauvorhaben Geld vor. Ob die Mittelschneisinger den Neubau später bereuten oder nicht, ist unklar. Überliefert ist hingegen, dass die Schneisinger mit dem streitbaren und eigenmächtig handelnden Pfarrer ihre liebe Mühe hatten und sich mit einer 25 Punkte umfassenden Klageschrift beim Abt von St. Blasien über Stressler beschwerten.

Lager für Schiesspulver
1799 wurde die Kapelle von französischen Besatzungstruppen als Depot für Schiesspulver missbraucht. Nachdem wieder ruhigere Zeiten eingekehrt waren, baute die Gemeinde 1813 an die Kapelle ein Schulhaus an, das erste im Dorf. Im 2009 umfassend renovierten Gotteshaus, von den Einheimischen auch „s Chäppeli“ genannt, steht ein hübscher Barockaltar. Das Altargemälde von 1820 schuf der erst 21-jährige talentierte Schneisinger Maler und Bildhauer Xaver Meier. Es zeigt die Heilige Familie bei ihrem Gang von Nazareth nach Jerusalem. Zwei Figuren schmücken den Altar: St. Sebastian und der Kapellenpatron. Am „Säulitoni“-Tag, am 17. Januar, besuchten früher viele Bauersleute aus der Umgebung die Kapelle und baten um den Segen für ihre Tiere. (lh)






Standort: Mittelschneisingen, Zelglistrasse 1 (gegenüber Gemeindehaus)
Via Postautolinie 354 Baden – Niederweningen – Kaiserstuhl bis Haltstelle „Schneisingen Post“. Von dort die Dorfstrasse hinauf.
Autofahrer auf der Surbtalstrasse biegen vor Niederweningen in Richtung Schneisingen ab und fahren beim ersten Kreisel links die Dorfstrasse hinauf. Parkplätze beim Gemeindehaus.

Einkehrmöglichkeiten: Restaurant Leuenhof und Landgasthof Alpenrösli an der Dorfstrasse in der Nähe der Kapelle.

Öffnungszeiten: Die Kapelle ist geschlossen. Der Schlüssel kann auf der benachbarten Gemeindekanzlei ausgeliehen werden.

Kontakt: Gemeindekanzlei, Schladstrasse 2, 5425 Schneisingen, T 056 266 40 09, gemeindekanzlei@schneisingen.ch

 

 

 



Fotogalerie | 4 Fotos


Die 1667 erbaute Antoniuskapelle mit dem 1813 angebauten Schulhaus.
Die 1667 erbaute Antoniuskapelle mit dem 1813 angebauten Schulhaus.
Kapellenpatron Antonius der Grosse mit den typischen Attributen Schwein, Buch und Kreuzstab mit Glöcklein.
Schmuckstück der 2009 renovierten Kapelle ist ein barocker Altar aus der Zeit kurz nach 1667.

 

 

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