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Andreaskapelle Holderstock bei Sins

Längst nicht Herr im eigenen Haus
Privatbesitzer von Kapellen gibt es selten. Die Kaufmanns im Weiler Holderstock oberhalb von Alikon geniessen dieses Privileg und nennen die kleine Andreaskapelle auf ihrem Gut ihr Eigen. Als Kind, so erinnert sich Andreas Kaufmann, hatte er im Wechsel mit seinen Geschwistern jeweils um elf und um neunzehn Uhr die Glocke zu läuten. Besondere Ehrfurcht habe man da nicht unbedingt verspürt, zumal es ja ein «Ämtli» war, vergleichbar etwa mit dem Abwaschen. Und gerade als Kind tue man sich ja doch schwer mit regelmässigen Verpflichtungen, räumt der Kapellenbesitzer ein. Mittlerweile ist dieses Ämtli in die Annalen eingegangen. Im Jahre 2005 bekam die Holderstockkapelle ein elektronisches Geläut.

Bis heute in Ehren gehalten
Ein gewisser Andreas Huwyler, seinerzeit Bauer im Holderstock, hatte das kleine Kirchlein mit dem Zwiebelhaubendachreiter 1665 zu Ehren seines Namenspatrons gestiftet. Womöglich hatte der Stifter seinen Hof, der ausserhalb des Ortsschutzes lag, mit der Errichtung der Kapelle unter besonderen Schutz der himmlischen Mächte stellen wollen. Damit aber nicht genug. Andreas Huwyler hinterlegte bei der Pfarrei Sins genügend Geld, auf dass in der Kapelle monatlich eine Messe gehalten werde. Bis auf den heutigen Tag wird diese Stiftung in Ehren gehalten. Jeweils am ersten Montag im Monat wird eine Messe gehalten, wobei jeweils Kinder aus dem 70-Seelen-Weiler ministrieren.

Ein rascher Neubau
Die ursprünglich erbaute Kapelle taugte nicht für das regelmässige Feiern der Heiligen Messe. Kaum errichtet, wurde sie mit finanzieller Unterstützung der Pfarrei Sins schon um 1671 neu aufgebaut und dem Heiligen Andreas geweiht. Damals teilten sich mehrere Familien die Kapelle. So auch ein gewisser Johann Kaufmann, der mit seiner Familie von Hohenrain nach Holderstock gezogen war und im 17. Jahrhundert von den Huwilers einen Hof erwerben konnte. Als die Kaufmanns im Laufe der Zeit alle Grundstücke in unmittelbarer Nähe der Kapelle übernahmen, gelangte bis um 1840 auch die Kapelle gänzlich in ihren Besitz.

Denkmalpflege macht Vorgaben
Allerdings können Kapellenbesitzer nicht frei über ihr Eigentum befinden. Das erfuhren auch die Kaufmanns, als in den 1960er Jahren das kleine Kirchlein während über fünf Jahren sorgfältig restauriert wurde. Die Denkmalpflege des Kantons Aargau gab vor, wie der Raum zu gestalten sei und was wo zu hängen hatte. Daran hatten die Kaufmanns nicht immer nur Freude, wie sich Andreas’ Vater erinnert. Den «Plättliboden» hätte er gerne behalten. Der habe sich besser reinigen lassen als der Sandstein, moniert Josef Kaufmann. (acm)

Spiritueller Impuls:
Der Hl. Andreas ist Jesus Christus im Kreuzestod gefolgt; er teilt den Schrei Jesu am Kreuz: «Mein Gott, warum …?» – Die menschliche Seele, die in ihrer Verzweiflung nach dem Sinn schreit, rührt an die Leere der empfundenen Abwesenheit Gottes. Erwartet uns die befreiende göttliche Liebe in der Nacht des Kreuzes? Oder besteht die Gnade darin, dass unsere eigene Liebe nicht aufhört? Simone Weil sagt:

«Das Schreckliche ist, dass, wenn die Seele in diesen Finsternissen, wo nichts ist, das sie lieben könnte, aufhört zu lieben, dass dann die Abwesenheit Gottes endgültig wird.

Die einzige Rettung für den Menschen in dieser Verzweiflung besteht im Weiterlieben ins Leere hinein,
in einer Liebe zu Gott, die nicht reaktiv ist, nicht mehr Antwort auf erfahrenes Glück, nicht mehr kindliche Dankbarkeit ist, sondern ein Akt, der über alle Erfahrung hinaus geht.

Die Seele muss fortfahren, ins Leere hinein zu lieben, oder zumindest lieben zu wollen, sei es auch nur mit dem winzigsten Teil ihrer selbst.

Dann eines Tages naht sich Gott selbst und zeigt sich ihr.»

Claudia  Nothelfer


Unmittelbar neben dem Gehöft der Eigentümer steht die kleine Kapelle. Jedes Jahr am 30. November findet ein Kapellenfest mit Heiliger Messe statt.



Standort Holderbank bei Sins
Mit der S-Bahn via Bremgarten-Wohlen oder Lenzburg in Richtung Rotkreuz bis Sins. Von dort mit dem Bus (Richtung Fenkrieden) bis Oberalikon. Zu Fuss (25 Min.) der Hauptstrasse entlang nach Süden bis Abzweigung rechts «Sonnenberg». Die Kapelle befindet sich im Weiler Holderstock.

Mit dem Auto via Lenzburg oder Dietikon-Bremgarten-Wohlen Richtung Sins. Der Aarauerstrasse entlang Richtung Auw bis Meienberg, dort Richtung Unter- und Oberalikon. Weiter gemäss Beschreibung ÖV. (Parkmöglichkeiten vorhanden)

Öffnungszeiten
Tagsüber uneingeschränkt zugänglich, ansonsten bei Familie Kaufmann vis-à-vis läuten.


Kontakt: Andreas Kaufmann, T 041 787 12 91

 

 

 



Fotogalerie | 3 Fotos


Ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert stammt die Holzschnittfigur des Heiligen Andreas, die heute an der linken Seitenwand der Kapelle hängt, unmittelbar gegenüber dem Marienbild des Abtwiler Malers Joseph Balmer.
Unmittelbar neben dem Gehöft der Eigentümer steht die kleine Kapelle. Jedes Jahr am 30. November findet ein Kapellenfest mit Heiliger Messe statt.
Blickfang ist der spätgotische Holzschnitt einer Madonna. Diese steht auf dem Sandsteinaltar im Abschluss der Kapelle. Es darf davon ausgegangen werden, dass diese Madonna einer Krönungsgruppe entstammt, die für die Sinser Pfarrkirche zu deren Weihe um 1493 gefertigt worden war.

 

 

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